Bauernleinen

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Bild: Bauernleinen Leinen rustikal

Geschichte des Leinen-Gewebes

Die "Leinpflanze" ist eine alte Bezeichnung für Flachs, den Grundstoff für das Leinen-Gewebe. "Leinen" bedeutet: "Aus Flachs gewebt". Im Mittel- und Althochdeutschen war "lin" der Name für Flachs, das gotische Wort "lein" ähnelt dem Lateinischen Wort "linum", der Grieche sagte "linon". Der indogermanische Wortstamm "lino" findet sich heute noch im englischen und schwedischen Wort "lin". Im Deutschen gibt es neben dem Wort "Leinen" noch die niederdeutsche Form "Linnen", die heutzutage aber weniger gebräuchlich ist.

Herkunft und Herstellung des Leinen-Gewebes

Das Material Leinen wird aus den Stängeln der Flachs-Pflanze gewonnen. Ihre zellulosische Faser wird zusammen mit dem Bindemittel Pektin zur Elementarfaser für Stoffe gesponnen. Als eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt wurde Flachs schon in uralten Kulturen angebaut und zu Textilien verarbeitet. Je nach sozialer Schicht entstanden unterschiedliche Leinen-Qualitäten: fein und repräsentativ für noblere Kreise und grob und nur wenig gebleicht für die einfache Bevölkerung auf dem Land.

Auf dem Land webte man das grobe Bauernleinen, aus dem vor allem Betttücher entstanden, die aus zwei Bahnen zusammengesetzt wurden, weil ein Webstuhl nicht breit genug war, um in einem Arbeitsgang eine genügend breite Bahn zu weben.

Eigenschaften und Verwendung des Bauernleinens

Die meist unregelmäßige Struktur entsteht durch die ab und zu auftretenden Garnverdickungen, die sich bei der manuellen Herstellung der Faser nicht vermeiden lassen. Sie geben dem Stoff aber auch seinen besonderen ländlichen Charme, der in der heutigen Zeit wieder zunehmend Liebhaber findet. Besonders in Verbindung mit der ökologischen Lebensphilosophie kommt Leinen zu neuen Ehren, weil es vom Anbau an bis zu seinen körper- und umweltfreundlichen Ausrüstungs- und Gebrauchs-Eigenschaften den Vorstellungen von nachhaltigem Umgang mit Ressourcen entspricht. Es werden vor allem Bekleidungs- und Haus-Textilien daraus geschneidert

Bauernleinen weist durch seine grobe Konsistenz eine besonders hohe Festigkeit auf, die sich im feuchten Zustand noch weiter steigert. Durch seine geringe Saugfähigkeit ist es unempfindlich gegen Schmutz, gleichzeitig ist es leicht zu reinigen. Die relativ starre Leinwandbindung macht die Behandlung nach der Wäsche etwas mühevoll, dafür war Leinen jahrhundertelang der einzige wasch- und kochfeste Webstoff. Eine segensreiche Eigenschaft, zumal Leinen bakterienhemmende Eigenschaften besitzt, die in Zeiten mangelnder Hygiene so manches gutes Werk für die Gesundheit der Menschen taten. Die grobe Oberfläche des Bauernleinens ist mühsam zu glätten, bietet aber eine robuste Unterlage für ein Federbett mit hervorragenden körperklimatischen Bedingungen. Tischdecken und Tischläufern gibt der matte Glanz des Materials eine edle Optik.

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