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Flachs

Was ist Flachs?

Aus der Kulturpflanze Flachs wird ein textiler Grundstoff gewonnen.

Geschichte

Der Gemeine Lein wird schon seit tausenden von Jahren als Kulturpflanze zur Gewinnung von Leinöl und Textilfasern angebaut. Die frühesten Leinsamenfunde aus dem Iran stammen aus der Zeit um 7.500 v. Chr.. Ende des 19. Jahrhunderts ersetzte die Baumwolle weitgehend das Leinengewebe, das nur noch einen Anteil von weniger als einem Prozent am Textilmarkt aufweist. Als ökologische Naturfaser gewinnt die Flachsfaser jedoch seit den 1990er Jahren wieder eine größere Bedeutung.

Herstellung

Aus den Stängeln des Leins werden in einem komplizierten Verfahren die Langfasern gewonnen: Zunächst erfolgt der Arbeitsschritt des „Röstens“, mit dem durch Mikroorganismen die Bastfasern gelöst werden. Anschließend wird die Brechung des Leins vorgenommen, so dass die Holzanteile des Stängels („Schäben“) frei werden. Durch „Schwingen“ werden die geringer wertigen Kurzfasern von den hochwertigen Langfasern getrennt. Ungefähr ein Siebtel des Stängelvolumens besteht aus Langfasern, die nach Reinigung zu Flachs gesponnen werden.
Bei dem Vorgang des Spinnens werden die einzelnen Flachsfasern zu Fäden verbunden. Vor dem Spinnen erfolgen Reinigung, Streckung und „Doublierung“ der Flachsfasern. Bei der Doublierung werden Langfaserbänder miteinander vermischt, um eine einheitliche Qualität des Fasermaterials zu erreichen. Anschließend erfolgen das meistens nasse Verspinnen und das Aufwickeln der gewonnenen Fäden auf Spulen.
Leinengewebe kann in traditioneller Leinwandbindung erstellt werden. Dabei werden Schuss- und Kettfäden besonders eng miteinander überkreuzt. Der Kettfaden befindet sich abwechselnd unter und über dem Schussfaden. Aber auch andere Bindungsarten wie z. B. die Köperbindung sind möglich. Die Köperbindung ist an den schräg im Stoff verlaufenden Graten zu erkennen. Die Jacquard-Bindung zeichnet sich durch einen ständigen Wechsel der Bindung aus, so dass Muster und Bilder erzeugt werden können.
Bei dem Weben von Leinstoffen müssen glatte und hochwertige Kettfäden eingesetzt werden, da unregelmäßige Kettfäden beim Leinweben zu starken Belastungen ausgesetzt wären.

Eigenschaften und Verwendung

Die Leinenfaser lässt sich im Vergleich mit anderen Pflanzenfasern besonders fein verspinnen, weshalb sie als Grundstoff für Bekleidung und Wäsche besonders gut geeignet ist. Die glatte und nur wenig Luft einschließende Faser wirkt schmutzabweisend. Feuchtigkeit gibt der Leinenstoff schnell an die Umgebung ab, so dass er zwar kühlt, aber dennoch wärmt. Damit eignet sich Leinenmaterial besonders gut als Sommerbekleidung. Zwar ist Leinen nur begrenzt elastisch und daher knitteranfällig, doch führt die eingeschränkte Elastizität auch zu erhöhter Reissfestigkeit. Die gewonnenen Leinenfasern werden zu einem Fünftel zu Heimtextilien, zu einem Viertel zu Haushaltswäsche und zu zwei Fünfteln zu Bekleidung verarbeitet. 15% verbleiben für technische Verwendungen.
Als Halbleinen werden Textilgewebe bezeichnet, die über einen Leinenmindestgehalt von 40 % verfügen. Der Webvorgang erfolgt hier gewöhnlich unter Einsatz von Kettfäden aus Baumwolle und Schussfäden aus Leinen.