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Tüll

Bild: Tüll Stoff

Kaum ein anderes Gewebe findet in so vielen verschiedenen Anwendungsgebieten seine Verwendung. Der netzartige Tüll wird aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt. Damit sind leichte und filigrane Gewebe ebenso möglich wie feste und strapazierfähige Textilien. Die markanteste Eigenschaft des Tülls ist die Luftdurchlässigkeit durch seine Netzzellen.

Tüll

Im 19. Jahrhundert wurde erstmals in der französischen Stadt Tulle eine besondere Spitze produziert. Die Stadt gab dem Gewebe auch seinen Namen: Tüll. Mit dem Namen Tüll wird noch heute netzartiges Gewebe bezeichnet. Dieses entsteht durch das Verdrehen zweier nebeneinanderliegender Kettfäden nach jedem Einschuss. Die gekreuzten Kettfäden befinden sich damit immer zwischen den Schussfäden, sodass diese nicht aneinander schlagen. Dadurch entstehen die markanten Netzzellen. Die Kettfäden sind entweder im Wechsel nach rechts und nach links gedreht oder immer nur in eine Richtung.

Bobinet

Nach einer besonderen Webart ist der Bobinettüll als ein netzartiges Geflecht hergestellt. Der Schuss wird auf einer Spule – der Bobine – zwischen den Kettfäden hindurchgezogen und umschlingt dabei die Kettfäden. Zum Einsatz kommen zwei bis vier schräg verlaufende Schussfäden. So entsteht eine wabenförmige Netzstruktur. Die erste Bobinet-Maschiene entwickelte der Erfinder John Heathcoat 1808 in England. Das Prinzip schaute er sich bei den Klöpplern ab. Der so gewebte Tüll ist absolut schiebefest. Er wird auch als echter Tüll bezeichnet.

Verwendung von Tüll

Tüllgewebe bildet die Grundlage für fast alle Spitzen. Für dekorative Muster werden weitere Musterfäden benötigt. Jacquardmaschinen steuern die Entstehung der Muster. Durch die Nutzung unterschiedlicher Garne entsteht Tüll in verschiedener Feinheit. Von der weiteren Verwendung des Gewebes ist es abhängig, ob der Tüll aus zarter Seide, aus Baumwollzwirn oder aus synthetischen Garnen besteht. Jeder kennt die zarten Schleier aus Tüll. Sie sind oft der Höhepunkt eines wunderschönen Hochzeitskleides. Doch auch als schmückendes Element findet sich verschiedenfarbiger Tüll an zahlreichen Kleidern, Blusen und Röcken wieder. Seine Durchsichtigkeit wird bevorzugt eingesetzt bei der Herstellung erotischer Dessous. Auch in der Karnevalszeit ist der vielseitige Tüll nicht mehr wegzudenken. Im Dekorationsbereich überwiegen durchscheinende Gardinen aus Tüll. Besonders romantisch ist der großflächig bestickte Florentiner Tüll. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist der medizinische Bereich mit seinen unterschiedlichen Verbandsstoffen und medizinischen Geweben. Auch bei den technischen Textilien hat sich der Tüll besonders in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt. Davon zeugen Sonnenrollos, Sicherheitsnetze, Funktionsbekleidung und Insektengitter, aber auch textile Schalter und Sensoren werden so hergestellt.