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Gobelin

Bild: Gobelin

Was ist ein Gobelin?

Die Bezeichnung Gobelin stand erst nur für in der „Manufacture des Gobelins“ (Paris) gefertigtes Gewebe (gewebte Bilder). Zu unterscheiden ist allerdings zwischen gewebten Gobelins (in Manufakturen per Hand hergestellte Tapisserien) und gestickten Gobelins (per Hand angefertigte feine Stickereien, als Petit Point bezeichnet).

Was ist ein Gobelin-Stoff?

Gobelin-Stoff (auch als Jacquard bekannt) ist ein Stoff, den schöne Muster auszeichnen. Seine Besonderheit ist dabei, dass diese Motive nicht einfach aufgedruckt, sondern eingearbeitet werden und wie per Hand gestickt wirken. Das Einweben der Motive wird als Einwirken oder Durchwirken bezeichnet. Gerade diese aufwendige Herstellung macht den Gobelin-Stoff wertvoll, denn zum einen sieht er sehr edel aus, zum anderen ist er auch sehr dicht, fest und strapazierfähig. Auf diesen Eigenschaften sind die typischen Einsatzgebiete der Gobelin-Stoffe zurückzuführen. Verwendet werden diese für hochwertige Innenraum-Ausstattungen, vor allem als Bezüge für Stühle und Überwürfe für Sofas, als stilvolle Kissenbezüge, Tagesdecken und Tischdecken sowie als schwere Vorhänge. Darüber hinaus sind die Gobelin-Stoffe sehr leicht zu verarbeiten, wofür eine ganz normale Nähmaschine genügt. Daher werden sie mittlerweile gern auch für Handtaschen oder sogar für ausgefallene Bekleidungsstücke verwendet, wie für Mäntel, Jacken und Westen oder sogar für Damenröcke.

Wie werden Gobelin-Stoffe hergestellt?

Die Herstellung der Gobelin-Stoffe basiert auf der als Bildwirkerei bezeichneten Technik. Diese besteht in aufwendigem Einwirken von verschiedenen Mustern und Motiven in den Stoffen, welche unter der französischen Bezeichnung Tapisserie bekannt sind, doch ebenso als Bildwirkerei bezeichnet werden. Eingesetzt wurde die Technik zum Beispiel zur Herstellung von gewebten Wandbildern. Die Wirkerei unterscheidet sich von der Weberei in der Art, in der die Schussfäden durchgezogen werden. Bei der klassischen Weberei werden diese durch die gesamte Breite der Webmaschine geleitet, bei der Wirkerei dagegen durch längere oder kürzere Breiten, Reihe für Reihe je nach dem jeweiligen Muster. Hergestellt werden die gewebten Bilder mit Jacquardmaschinen.

Bildwirkerei, eine uralte handwerkliche Kunst

Wie unzählige historische Funde es belegen, ist die Bildwirkerei eine der ältesten Handwerkskünste der Menschheit. Verwendung fanden gewebte Bilder zur Darstellung von Riten und Bräuchen. Angefertigt haben sie die alten Ägypter bereits vor Jahrtausenden als Grabbeilagen, die Europäer wiederum im Mittelalter als Wandbilder. Ursprünglich war jede Bildwirkerei ein Einzelstück, das nach einer Vorlage angefertigt wurde. Deren Bestimmung nach waren die gewebten Bilder allerdings nicht nur echte Kunstwerke, sondern hatten durchaus auch praktische Funktionen zu erfüllen, wie für Kälte-, Blick- und Lärmschutz zu sorgen.