Jute

Bild: Jute Stoff

Eigenschaften und Verarbeitung von Jute
In den Überschwemmungsböden des indischen Gangesdeltas gedeiht die Corchorus-Pflanze, eine Malvenart. Die Fasern liefern den Bast der Jute, andere Pflanzen liefern sehr ähnliche Fasern, weshalb der Begriff Jute auch als Sammelbezeichnung verwendet wird. Die Fasern werden geröstet (gerottet), dann gewaschen, getrocknet und vor dem Spinnen mit Öl behandelt, um sie besser verarbeiten zu können. Durch das Spinnen werden die festen Jutefäden gewonnen, die zu Geweben vorrangig für die Verpackungsindustrie verarbeitet werden. Sie sind goldglänzend, daher der Beiname "Goldene Faser", nehmen sehr gut Wasser auf und verrotten nur schwer. Sie reißen relativ schnell, sind aber bei geringer Dehnbarkeit hoch dehnfest und deshalb für industrielle Zwecke gut geeignet. Man kann sie gut färben, allerdings riechen sie streng und sind fäulnisanfällig. Sie sind vollständig biologisch abbaubar, gehören zu den nachwachsenden Rohstoffen und werden daher als sehr umweltfreundliche Alternative zu anderen Verpackungsmaterialien betrachtet.


Der Einsatz von Jute
Vorwiegend die Verpackungsindustrie setzt gern Jutesäcke ein, das Material wird aber auch für Teppiche und grobe Garne genutzt. Industriell hat Jute etwa die Bedeutung wie auch Hanf oder Flachs und bietet ähnliche Einsatzmöglichkeiten. In Asien und in arabischen Ländern werden die Blätter der Pflanze auch verzehrt. Hauptproduzenten von Jute sind Indien, Bangladesch und in geringerem Maße Nepal und Myanmar, von der Menge her rangiert die Jute als Naturfaser nach der Baumwolle an zweiter Stelle. Sie war früher noch wesentlich bedeutender, wurde als Verpackung jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in großen Teilen von Plastikwerkstoffen verdrängt. Die Hauptschwerpunkte des Verbrauchs liegen heute in Südostasien, in Indien ist die Verwendung von Jutesäcken gesetzlich vorgeschrieben. Jute dominiert jedoch mengenmäßig alle technisch genutzten Naturfasern mit der Konsequenz, dass sie deren Preise beeinflusst. Seit den 1990er Jahren wurden auch Heim- und Geotextilien, Papier, Verbundwerkstoffe, Chemieprodukte, technische Textilien und Modeartikel aus Jute hergestellt. In den Jahren 2005 - 2010 gab es Engpässe und daher bis zu 100%-tige Preissteigerungen bei Jute.


Geschichtliches
Etwa 4.000 Jahre alte archäologische Funde aus dem Iran und aus Ägypten belegen Jutekulturen. In Asien wurde die Pflanze viele Jahrhunderte lang als Kochgemüse verzehrt, nach 1800 begannen die Schotten in Dundee, Jute maschinell zu Textilien zu verarbeiten. Damit erlangte die Faser weltweite Bedeutung, und das vorrangig in der Verpackungsindustrie. In den 1970er Jahren waren Jutetaschen als Plastikalternative ein Symbol der sich entwickelnden Umweltbewegung.