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Jacquard

Bild: Jacquard Stoff

Die Erfindung der Jacquard-Technik
Im Jahr 1805 erfand Joseph-Marie Jacquard eine Vorrichtung, welche die Steuerung jedes Kettfadens an der Webmaschine erlaubte. Damit waren erstmals Muster von großer Vielfalt und mehrfacher Größe möglich. Die Muster konnten nun endlos und beliebig komplex auf mechanischem Weg hergestellt werden, was in der Textilherstellung eine Revolution bedeutete. Jacquard, dessen Webstuhl nach ihm benannt wurde, nutzte als Erster die zu diesem Zeitpunkt gerade erfundene Lochkartentechnik zur Mustergenerierung und konnte damit nahezu jedes gewünschte Muster herstellen.
Jacquard, welcher aus einer Weberfamilie stammte und schon als Kind mitarbeiten musste, forschte nach der Übernahme des väterlichen Betriebes intensiv an der besseren Mechanisierung des Webens, um stupide Handarbeiten zu eliminieren. Er wurde nach anfänglichen Misserfolgen, welche ihn in große Armut stürzten, durch Textilfabrikanten unterstützt. Den technischen Durchbruch schaffte er durch Weiterentwicklungen von anderen Erfindern und der Kombination von Techniken, zum Beispiel mit österreichischen Webstühlen. Seine wichtigste Neuerung bestand im Ersatz von österreichischen Nockenwalzen durch das Endlosprinzip mittels Lochkarten. Erst dadurch wurde die (theoretisch unendliche) Vielfalt seiner Muster möglich. Das Prinzip der Lochkarten war binär: Loch bedeutet Fadenhebung, wobei kein Loch eine Fadensenkung zur Folge hatte. Dieses Prinzip (0-1) wird bis heute in der Digitaltechnik angewandt. Damit schuf Jacquard nicht nur neue Webstühle und Webmuster, sondern legte einen der Grundsteine heutiger Automatisierung. Napoléon war begeistert, gewährte Jacquard eine lebenslängliche Rente und versuchte die Einführung der Webstühle per Dekret durchzusetzen. Er musste sich jedoch dem Widerstand der Zünfte geschlagen geben, welche die Geschäftsgrundlage ihrer Mitglieder durch die Automatisierung (zu Recht) bedroht sahen. Auch Jacquard wurde mit gerichtlichen Mitteln immer wieder angegriffen, letztlich setzte sich die Idee jedoch - von England ausgehend - weltweit durch. Im Jahr 1810 erhielt Jacquard das Kreuz der Ehrenlegion.

Die heutigen Jacquards
Einige Jahrzehnte nach Jacquards Erfindung wurde diese auf Strick- und Wirkwaren angewandt. Die Technik ist auch von Hand einzusetzen und erlaubt deutlich abgegrenzte Muster in verschiedensten Formen. Beim Stricken wird eine Masche mit mehreren Fäden unterschiedlicher Farben gearbeitet. Auf einer Seite sind dann nur die Maschen der Folgefarbe zu sehen. Der Vorgängerfaden wird auf der anderen Seite durchgezogen. Auch die Stickerei der Jacquard-Muster wird mit dem Maschenstich wechselseitig durchgeführt. Durch die Verwendung verschiedenfarbiger Fäden nach Zählvorlage entstehen die vielfältigen Muster.

Verwendung
Jacquard-Dekostoffe werden für Vorhänge, Kissen, Decken, Bettüberwürfe und Tischdecken eingesetzt. Jacquardstoffe werden aber auch für Oberbekleidung wie Mäntel, Jackets, Kleider genutzt.

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