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Xylee

Was ist Xylee?

Xylee wurde bis in die späten 1970er Jahre in Deutschland als Lederimitat für das Obermaterial bei Schuhen verwendet und zeichnete sich durch seine harte Struktur aus. Als sich der Markt zunehmend in Richtung weicher Lederarten entwickelte und der hohe Herstellungsaufwand von Xylee sich kaum noch rentierte, geriet die Produktion ins Stocken und der Stoff weitgehend ins Abseits. Wenig später wurde seine Verarbeitung eingestellt.


Herstellung und Eigenschaften

Wenn es um die synthetische Produktion von Leder geht, sind vor allem die zwei kollagenhaltigen Schichten von echtem Leder von Bedeutung, die einmal aus der dünnen, relativ harten und äußerst robusten Oberhaut und aus der dickeren Unterschicht bestehen, welche unter Anderem durch ihre Elastizität und wasserabweisenden Eigenschaften besticht. Um diese Charakteristika authentisch nachzubilden, benutzte man schon früh Polyurethane, die je nach Produktionsart einerseits durchlässig sind, andererseits als Elastomer genügend strapaziert werden können, ohne dass der Stoff seine Ursprungsform verliert. Mit dem faserigen Charakter dieses Mischstoffes lässt sich die Mikrofaserstruktur der Oberhautstruktur von Echtleder gut nachahmen. Die Unterschicht dagegen wird durch ein nadelgestanztes Vlies ersetzt, das man zusätzlich mit einem harzartigen Bindestoff versieht, um die Dehnbarkeit und Widerstandskraft von Leder zu erreichen. Auch die Rezeptur von Xylee folgt diesem Prinzip der Nachahmung.

Die Besonderheit von Xylee: Sein Faservlies
Um überhaupt Xylee herzustellen, benötigt man Vlies. Vliesstoff zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht aus gewobenen oder gestrickten Garnen besteht. Ähnlich wie bei Papier liegen seine Fasern so dicht beisammen, dass sie einen undurchlässigen Textilteppich ergeben, der bis zu einem gewissen Grad reiß- und wasserfest sein kann. Nun ist Vlies aber nicht gleich Vlies. Der japanische Kunstlederstoff Carino beispielsweise enthält das so genannte Krempelvlies, das im aerodynamischen Trockenverfahren entsteht. Xylee hingegen erhält sein Fasermaterial in einem hydrodynamischen Verfahren. In dieser aufwändigen Prozedur werden bis zu 12 mm lange Fasern immer wieder mit Wasser "gewaschen", bis sie auf einem Steil- oder Rundsiebband eine Art Vliesdecke gebildet haben.

Dass die Aufwandskosten im Nassverfahren wesentlich höher liegen als in der aerodynamischen Vliesherstellung (genauer gesagt: um das Zehnfache!), gereichte der Xylee-Produktion in den 1970er Jahren auf Dauer zum Nachteil. Zudem gilt Xylee, wie viele Kunstlederstoffe, als längst nicht so reißfest wie Echtleder und wird für seinen Ursprungsgebrauch als Schuhobermaterial oft als zu hart und unnachgiebig empfunden. Sein Gebrauch heutzutage ist daher überaus selten.