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Leinen

Bild: Leinen Stoff Natur

Geschichte
Die Verwendung von Leinen ist bereits im Altertum vor 6000 bis 7000 Jahren, z. B. im Zweistromland, nachweisbar. Durch viele Jahrhunderte hindurch war Leinen neben Wolle das wichtigste Material für die Herstellung von Kleidung. Mit dem Einsetzen der industriellen Revolution, der zunehmenden Perfektionierung der Baumwollverarbeitung und steigenden Baumwollimporten, verlor Leinen an Bedeutung, gewinnt aber in den letzten Jahrzehnten als ökologische Naturfaser wieder an Beliebtheit.

Ernte und Verarbeitung
Die für das Leinengewebe verwendeten Fasern werden aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen. Um die Fasern nicht zu beschädigen, wird die Pflanze mit den Wurzeln ausgerauft; früher geschah dies von Hand, heute kommen dafür spezielle Maschinen zum Einsatz. Danach müssen die Pflanzen trocknen, ehe beim Riffeln die Samenkapseln entfernt werden. Anschließend erfolgt die Rotte, bei der die Flachsfasern vom übrigen Pflanzengewebe gelöst werden. Der weitere Prozess verläuft in drei speziellen Arbeitsschritten: Beim Brechen werden die holzigen Pflanzenteile zerkleinert, und beim Schwingen von den Fasern getrennt. Schließlich werden die Langfasern beim Hecheln gereinigt und parallel ausgerichtet, ehe sie gesponnen und zu Stoffen verwebt werden können.

Eigenschaften
Weil die Leinenfaser wenig Luft einschließt, sehr glatt und gut teilbar ist, kann sie zu einem dichten, fusselfreien Gewebe verarbeitet werden. Zudem ist die Faser bakteriozid (d. h. sie kann Bakterien abtöten), Schmutz abweisend und fast antistatisch. Leinen ist sehr reißfest und strapazierfähig, aber empfindlich gegen Scheuern und Reibung; beim Waschen empfiehlt sich daher der Schonwaschgang. Weil es unelastisch ist, knittert es leicht, es verträgt hohe Temperaturen, nicht jedoch trockene Hitze; es sollte daher beim Bügeln noch leicht feucht sein, und auch nicht in den Wäschetrockner gegeben werden. Leinen nimmt Feuchtigkeit gut auf und führt sie rasch wieder ab.

Verwendung
Im Bereich der Haus- Tisch- und Bettwäsche ist Leinen heute weitgehend von der Baumwolle verdrängt, was vermutlich auf die Knitteranfälligkeit des reinen Leinens und auf den günstigeren Preis der Baumwolle zurückzuführen ist. Man findet es in diesen Bereichen eher als Mischgewebe, z. B. Halbleinen, bei dem der Leinenanteil mindestens 40 % betragen muss. Zunehmend wird Leinen heute wieder für Sommerkleidung oder in Form von handgewebten hochwertigen Dekostoffen eingesetzt, aber auch für Taschen und Schuhe. Darüber hinaus wird es als Einbandmaterial für Bücher und als Leinwand zum Malen benutzt.